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paule 28.01.2005 14:46

Arbeit als freie Journalistin
 
Hallo!
Habe vor einem Jahr mein Studium abgeschlossen und nebenbei einige Praktika und freie Mitarbeiten bei Zeitungen und Fernsehsendern absolviert. Nun möchte ich als freie Print-Journalistin arbeiten und möchte gerne wissen: Muss ich beim Finanzamt meine Selbstständigkeit angeben, und wie sehen all die Versicherungsdinge aus? Wäre sehr froh über jeden Rat und Hinweis.
Tausend Dank!

Kat 28.01.2005 15:39

Hi,

ich mache mich gerade auch selbständig, kann Dir also ein paar Dinge beantworten.

Entgegen meiner bisherigen Meinung teilte mir mein Steuerberater vorgestern mit, dass man sich sehr wohl beim Finanzamt als selbständig anmelden muss. Ups. Aber das kann man auch navhholen ... Überhaupt kann ich nur empfehlen, sich einen Steuerberater anzuschaffen, die wissen soooooo viel. Ich bin zu dem meiner Eltern gegangen und er macht mir sehr nette Preise ...

Thema Versicherungen. Da wäre zunächst die Krankenversicherung. Stufst Du Dich als Kleinunternehmerin ein, musst Du erst ab circa 7900 Euro im Jahr Mehrwertsteuer angeben und ab circa 17 000 Euro kommst Du in eine andere Umsatzsteuerklasse. Bis dahin reicht es, am Ende des Jahres eine Steuererklärung einzureichen, Du musst also keine Vorabsteuer zahlen, was sehr praktisch ist. Einziger Nachteil: Die Krankenkassen stufen Dich als normalen Selbständigen ein und wollen circa 250 Euro von Dir im Monat. Vielleicht hast Du bei privaten Kassen wie der Technikerkrankenkasse mehr Glück, die kämpfen um jedes Mitglied und machen schon mal nette Preise. Eine andere Möglichkeit wäre die berühmte Künstlersozialkasse. Das ist keine Krankenkasse, aber wenn Du es schaffst, Mitglied zu werden, zahlen die die Hälfte Deiner Versicherung.

Ansonsten: Sammel alle Belege wie Kassenzettel, Tankquittungen, etc., das brauchst Du für die Steuererklärung. Und mach´ ordentlich Werbung für Dich selbst.

Alex 11.02.2005 11:56

Re: Arbeit als freie Journalistin
 
Zitat:

Zitat von paule
Hallo!
Habe vor einem Jahr mein Studium abgeschlossen und nebenbei einige Praktika und freie Mitarbeiten bei Zeitungen und Fernsehsendern absolviert. Nun möchte ich als freie Print-Journalistin arbeiten und möchte gerne wissen: Muss ich beim Finanzamt meine Selbstständigkeit angeben, und wie sehen all die Versicherungsdinge aus? Wäre sehr froh über jeden Rat und Hinweis.
Tausend Dank!

:idea: Hallo Paule,

ich habe mich als Print Journalistin selbstständig gemacht und das einzigste was du dir dafür holen musst ist eine Steuernummer von deinem Finanzamt, da du Freiberuflich bist als nicht Gewerblich Tätig, d.h. wenn du noch PR und oder Weerbung machst brauchst du einen Gewerbeschein. Ansonsten reicht deine Steuernummer und ein Einnahmen und Ausgabenbuch zur Vorlage beim Finanzamt, am ende des Jahres ( Einkommensteuer).
Versicherungstechnisch solltest du bei der KSK sein da die Privaten doch recht teuer sind und für den Anfang ist die KSK mit ca. € 60-120 noch recht Günstig, falls du Probleme hast in die KSK zu kommen melde dich kurz, kann dir helfen dann doch rein zu kommen.
Hast du schon mal drüber nachgeacht in die DJU zu gehen? Solltest du mal machen mir haben die sehr gut bei streitigkeiten bezüglich des Zeilenhonorars geholfen, auch haben die mir beim Berichtklau sehr gut geholfen.

Also viel Glück
Alex :lol:

Raguwi 12.02.2005 14:10

Moin Paule,

willkommen im "Club" :wink:

Also vorab erst einmal meckern.
Warum bereiten "die" im Studium Menschen nicht für das wirkliche Leben vor? :?

So, genug gemeckert.
Einige Tips sind ja schon genannt. Bei DJV und KSK solltest Du einiges an Rat und Hilfe bekommen. Auch bei der VG-Wort- und Bild lohnt es sich, einmal herein zu schauen.
Im Startup lebt es sich besser als Freiberufler! Nur kein Gewerbe, wenn es nicht sein muss. Warum sollst Du dich mit Umsatzsteuervoranmeldungen plagen, wenn es nicht nötig ist? Die Meldung beim Finanzamt und Einholung einer Steuernummen reicht.
Der Tipp mit den Rechnungen und Quittungen ist nett, kann aber auch nachteilig sein. Wer beispielsweise eine "alte Karre" fährt, steht sich häufig besser, wenn Kilometer per Fahrtenbuch pauschal beim Finanzamt abgerechnet werden. Hier ist einiges zu beachten. Da Steuerberater auch nur Menschen sind, solltest Du für eine umfassende Erstberatung vorher eine Pauschale vereinbaren - schützt vor Überraschungen!

So nebenbei: Hast Du konkrete Zielvorstellungen über Dinge wie: Vermarktung, Zweit- und Drittvermarktungen und ein persönliches Schwerpunktprofil?
Wie ich immer wieder feststelle, wird hier von vielen Freien Geld verschenkt!

Gruß

Raguwi

paule 15.02.2005 17:46

zweitverwertung?
 
euch allen herzlichen dank fuer eure guten tipps. nur der hinweis zur zweitverwertung meiner texte ist mir nicht ganz klar. habe ich nohc nie gemacht. wie läuft das?
danke und gruß,

Raguwi 15.02.2005 23:40

Hallo Paule,

also ich weiß ja nicht, für wen Du arbeitest und welchen Status Du dort hast. Wenn Du als echte Freie arbeitest ...
Nehmen wir einmal an, Du schreibst eine Reportage über Suppentöpfe, Drachenfliegen, das neue Affenhaus im Tierpark oder was auch immer.
Zeit, Fahrtkosten, Kamera, EDV, die Liste, die bezahlt werden soll, ist ja lang genug.
Du hast die Geschichte der örtlichen Tageszeitung verkauft.
Nun ja, da gibt es doch sicher noch ein Anzeigenblatt in deiner Stadt, oder? Auch das Bauernblatt in deiner Region dürfte ein guter Ansprechpartner für Geschichten über Land und Leute sein.
Mitunter lohnt es sich, auch mit den Redakteuren von Verbandszeitungen Kontakt aufzunehmen. Imkerversammlung mit Ausstellung? Na gut, die Geschichte ist sowohl für die Tageszeitung, als auch fürs Bauernblatt und die Imkerzeitschrift gut.

Also: Genügend Fotos schießen, drei Texte und die Kasse stimmt.
Der Mehraufwand einige Fotos mehr zu bearbeiten und den Text in unterschiedliche Formen zu bringen ist schließlich nicht allzu groß.

Das meinte ich mit der frischen Petersilie in der aufgewärmten Suppe. :wink:

Ohne Zweit- und Drittvermarktungen deiner Artikel und Bilder, weiß ich nicht, wie Du sonst als Freie auf einen grünen Zweig kommen willst?

Gruß

Raguwi

Miss Marple 16.02.2005 13:29

:twisted: hallo,
RAGUWI hat recht.....aber du solltest dich zumindest in der redaktion des käseblattes......(sorry für den ausdruck), einmal vorstellen damit der CR weiß wer du bist und was er mit dir anfangen kann, nehme am besten gleich ein paar arbeitsproben mit, macht immer einen guten eindruck. aber lass dir auf jeden fall einen termin verpassen und platz nicht so in die radaktion rein.

liebe grüße
missi :roll:

Alas Miodor 16.02.2005 19:31

Zitat:

Zitat von Miss Marple
(...) nehme am besten gleich ein paar arbeitsproben mit, macht immer einen guten eindruck. (...)

Hat das im journalistischen Sektor etwa die gleiche Konjunktur, wie im sozialen das Bekenntnis im Vorstellungsgespräch, dass man schon immer gerne mit Menschen gearbeitet hat? :lol:

Verzeihung ... ich weiß: Zynischer Querulant, der nur unkonstruktive Beiträge liefert! :twisted:



P.S.: Ich kanns aber nicht lassen, deswegen noch eine Notiz: Ich unterstelle dieser Phrase im Bewerbungsgespräch beim Sozialen Dienst, dass man mit ihr ideologisch verschleiert, dass man in Wahrheit nicht "mit Menschen" gerne arbeitet, sondern Menschen gerne bearbeitet, um sich selbst besser damit ertragen zu können ... Sofern sich der "gute Eindruck, den die Arbeitsproben hinterlassen" und der "gute Eindruck, den es macht, wenn man sagt, dass man gerne mit Menschen arbeitet" strukturell gleichen, dann wäre die logische Frage, was im journalistischen Wesen damit verschleiert wird?

P.S.2: Nochmals und inständig ... Verzeihung, Störenfried usf., ich weiß! Ich werde mich zukünftig beherrschen ... kommt nicht wieder vor!
Devot,
Alex
:P

Miss Marple 16.02.2005 19:55

:twisted: herrje alex.....
wie sarkastisch mal wieder......hab doch auch nur mal meine gut gemeinte meinung und leider auch erfahrung abgelassen......mein käseblatt hier um die ecke hat halt nen ganzen stapel arbeitsproben verlangt....worauf ich zum glück gekonnt nein danke sagen konnte....aber das gibt es auch....abgesehen von denjenigen redakteuren die der meinung sind sie bräuchten traubenzucker im hintern oder noch besser frau müsste einen bückling vor ihnen machen.....sorry....aber das nervt doch ungemein, haben wir nicht das gleiche ziel......


liebe grüße
missi :roll:

Raguwi 16.02.2005 20:27

Öff!

Wollt ihr wohl aufhören, die arme Paule zu erschrecken! :?

Paule hat schließlich nur lieb und nett gefragt, wie es im wirklichen Leben zugeht. :wink:

Also, Alas Miodor, bitte: Sitz und brav sein!

Missi hat Recht Paule. Nichts geht über ein persönliches Gespräch.
Auch Arbeitsproben können nicht schaden. Empfehle hier aber: wenig und gut!
Eine gute Küche lockt schließlich auch nur mit der Vorspeise und lässt sich den Hauptgang gut bezahlen!

Ach ja, und da ist noch die Erfahrung, dass Traubenzucker in den "Arsch" blasen nicht gerade als gewünschte Charaktereigenschaft gilt. Dann lieber selbst nen Dextro futtern!
Wer sich selbst zu sehr verbiegt, ist leider schnell beim Gesprächspartner unten durch. Menschen sind nun einmal so. 8)

Raguwi wünscht Dir jedenfalls viel Erfolg!

Alas Miodor 17.02.2005 15:32

Zitat:

Zitat von Miss Marple
:twisted: herrje alex.....
wie sarkastisch mal wieder......hab doch auch nur mal meine gut gemeinte meinung und leider auch erfahrung abgelassen......

Jaja ... pardon nochmals: Es sind meine Pferde mit mir durchgegangen! 'tschuldigung!

Ich sitze auch schon wieder und bin brav.

Der Hektiker und Zyniker :?


P.S.: "Analysen wurden zu Beschuldigungen. Moral bewirkt nichts in einer auf Effektivität und Gewinn ausgerichteten Welt. Die Energien der Kritik verkommen in Gestalt des unverstandenen Liebhabers, der beleidigt pauschale Vermutungen zuweist, von denen keiner weiß, was sie bedeuten. Ein Sichfernhalten von Realität aus Angst, ihr nicht gewachsen zu sein. Die Sprache geht verloren mit der Lust, etwas sagen zu wollen, zu müssen", schrieb Hans-Eckardt Wenzel mal sehr klug auf Walter Benjamin bezogen. Denk Dir einfach, ich sei der "unverstandene Liebhaber". Mea culpa. :)

... Schluss jetzt damit.

Raguwi 17.02.2005 17:52

Zitat:

Moral bewirkt nichts in einer auf Effektivität und Gewinn ausgerichteten Welt
Das sehe ich anders, auch wenn es mitunter anstrengend ist und keinen
materiellen Profit einbringt! :cry:

Aber das sollte wohl eher in smaltalk diskutiert werden. :wink:

Raguwi

Alas Miodor 17.02.2005 19:42

Zitat:

Zitat von Raguwi
Zitat:

Moral bewirkt nichts in einer auf Effektivität und Gewinn ausgerichteten Welt
Das sehe ich anders, auch wenn es mitunter anstrengend ist und keinen
materiellen Profit einbringt! :cry:

Aber das sollte wohl eher in smaltalk diskutiert werden. :wink:

Raguwi

Na ... und siehe da: Herr Alex war schon so zackig, das dort noch mal auszurollen. :lol:

yab 21.04.2005 18:13

KSK bzw. Versicherungspflicht - Kosten für Selbsständige?
 
Hallo allerseits,

Ich möchte mich ebenfalls gerne als Freier (Journalist) selbsständig machen. Muß ich mich irgendwo versichern lassen? Und: Wo lauern weitere Kosten?

ciao, David

Kat 21.04.2005 20:09

Hi,

1. Krankenversicherung. (Falls Du Glück hast und in der Künstler-Sozial-Kasse aufgenommen wirst, zahlen die einen Teil Deiner Versicherungen)
Ich empfehle weiterhin:
2. Haftpflicht
3. Berufsunfähigkeitsversicherung
4. Irgendeine Rentenvorsorge und sei sie noch so winzig

Ratsam ist auch der Beitritt bei einer Berufsgenossenschaft, ich empfehle die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (tipp´ das Stichwort mal in die Suchfunktion hier ein, wir haben kürzlich hier im Forum noch über das Thema gesprochen).

Eventuell solltest Du Dir einen Steuerberater zulegen. Visitenkarten wären auch nicht schlecht, plus natürlich eine Büroeinrichtung - auf E-Mail und Fax kann man heutzutage in dem Job nicht verzichten.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gibt übrigens eine nette Info-Broschüre für Ich-Ags und Kleinselbständige heraus.


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 17:32 Uhr.

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