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Alt 24.08.2009, 11:23   #1
Markus Berger
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Standard Lokaljournalismus

Lokaljournalismus

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, 188 Seiten, Paperback, ISBN 978-3-531-15249-3

Von Markus Berger

Dieses schmale Bändchen, das dem Leser das elementare Feld des Lokaljournalismus nahe bringen möchte, ist ein Buch voller Widersprüchlichkeiten. Auf der einen Seite sind da Kapitel, die eingängig und gut, ja originell geschrieben sind. Schön lesbar, wecken sie Lust auf mehr. Andererseits enthält das Werk Kapitel, die vor wissenschaftlichem Jargon schier aus den Nähten platzen und alles andere als leicht verdaubar sind – folglich den Leser ermüden und langweilen.

Diese Ambivalenz begründet sich so: Das Buch ist ein Projekt zweier Autoren. Da ist ein Lokaljournalist, nämlich Lutz Timmermann, der – ganz seiner Profession verhaftet – anschaulich und unterhaltsam schreibt. Und dann ist da noch Wiebke Möhring, die ihren Platz in einem Institut für Journalistik gefunden hat. Und deren Textbeiträge sind durch die entsprechende Wissenschaftssprache charakterisiert. Ein Beispiel gefällig? „Modularisierte Textstrukturen, wie man sie z.B. aus dem hypertextbasierten Internet kennt, berücksichtigen, dass Leser selektiver und zeitlich disponibler lesen (...).“ So gelesen auf Seite 97 des Buchs. Aha. Klingt toll, geradezu hochtrabend, sagt aber nur wenig. Aufgeblähte Worthülsen, die Eindruck schinden sollen, verdrängen einmal mehr die Lesbar- und Verständlichkeit. Eine solche Sprache ist für den Lokaljournalismus unbrauchbar. Und ebenso fehl am Platz in einem Buch für Praktiker. Tageszeitungsjournalismus soll deutlich und einfach sein. Denn er wird für den Leser gemacht und nicht für Akademiker, die ihresgleichen und ihre Umwelt mit terminologischen Kraftausdrücken beeindrucken wollen.

Doch genug der Schelte. Im Großen und Ganzen ist der Band ein nettes Buch, das als Lektüre nebenbei durchaus taugt. Möge sich der geneigte Lokaljournalist sein eigenes Bild davon machen.

Geändert von Markus Berger (24.08.2009 um 11:26 Uhr).
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