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Recherchefragen - Investigativ In diesem Forum geht es um die journalistische Recherche. Recherchefragen Informationen, Kooperationspartner, alle Themen zur Recherche.

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Alt 30.01.2006, 10:33   #1
mediopolis
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Ausrufezeichen Medienkrimi um stern TV und Jauch

hallo zusammen,

es ist 10 jahre her und niemand erinnert sich daran: den größten betrug am zuschauer in der geschichte des deutschen fernesehens. hauptakteure stern TV und günther jauch.

habe einen medienkrimi darüber geschrieben - komplett authentisch aus der innensicht (stelle gerne eine leseprobe bereit - so ich denn darf) - und mich würde interessieren, ob der tv-journalismus heute für glaubwürdg gehalten wird.

grüsse
mediopolis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.01.2006, 11:14   #2
mediopolis
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Renommee-Modifikator: 0 mediopolis wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Medienkrimi um stern TV und Jauch

Inhalt




Rückblick

Spurensuche


Erste Indizien


Beginn der Affäre

Feuer an der Medienfront

Eröffnung der Schlammschlacht

Hetzjagd der Medien

Quotenkampf

Im freien Fall

In der Falle der Aktualität

Der TV-Kujau Michael Born

Im Sommerloch

Prozessauftakt

Schmierenkomödie

Im Zeugenstand


Was wussten die Redaktionen?



Urteil

Sprung in die Gegenwart

Epilog

Der Autor



Thomas Pritzl erwirbt Ende der 80er-Jahre nach einem philologischen Studium an der Universität Bonn in der damals erfolgreichsten deutschen Agentur für Public Relations (PR) ABC in Düsseldorf - heute RSCG Eurocom ABC - das Rüstzeug für seine berufliche Karriere.

Anfang der 90er-Jahre wird er vom Kölner Privatsender RTL abgeworben, um in der „Stabsstelle PR“ des Senders die Unternehmenskommunikation mit zu entwickeln sowie als Pressesprecher tätig zu werden.

Später betreut er die redaktionelle PR der Sendung stern TV und arbeitet an einer brisanten Titelgeschichte für das Magazin Stern aus dem Verlag Gruner + Jahr mit. Ab 1997 wird er als Autor für das Handelsblatt sowie die Wirtschaftswoche aus der Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, wo er unter anderem mehrere Jahre lang ad interim die Medienseiten des Magazins verantwortet.

Zudem berät er bis ins Jahr 2003 in Eigenregie oder als freier Medienexperte für die PR-Agentur Kohtes Klewes - heute Pleon Kohtes Klewes - Mandate aus der deutschen Finanz- und Medienwirtschaft. Der 43-Jährige publiziert als Wirtschaftsautor und ist als selbstständiger PR- und Marketingberater unterwegs.

Hinweis des Autors


Auch ein Jahrzehnt nachdem sich der TV-Fälscher Michael Born wegen 23 mehr oder weniger intelligent getürkter TV-Beiträge vor Gericht als mutmaßlicher Betrüger zu verantworten hatte, geht die Branche diesem Kapitel deutscher Mediengeschichte aus dem Weg.

Vom Star-Moderator Günther Jauch - seine Sendung stern TV war Hauptabnehmer der so genannten „Fakes“ -, bis hin zum verstorbenen Chef des ZDF-Magazins Frontal Bodo Hauser. Anfragen werden - wenn überhaupt - mit eingeschränkter Auskunftsbereitschaft bearbeitet: Material sei nicht mehr auffindbar oder gelöscht. Überhaupt: wen interessiere die Story noch?

Wie sonst sollte dies gewertet werden, wenn nicht als Indiz dafür, dass die Affäre, die Zuschauer, Medien und Politik 1996 in Atem hielt sowie den TV-Journalismus erschütterte, nach wie vor Unbehagen auslöst? Umso erstaunlicher, dass nach Borns Verurteilung zu vier Jahren Haft weder die Hintergründe um die Fakes und den Prozess noch die Konsequenzen daraus öffentlich je wieder eine Rolle spielten. So die Ausgangslage.

Was bleibt einem Autor, der den größten Betrugsfall in der deutschen TV-Geschichte rekonstruieren möchte, dann anderes übrig, als sich auf Spurensuche zu begeben? Um durch Auswertung von mehr als 1000 veröffentlichten Berichten, Kommentaren sowie Interviews in Tages- und Wochenzeitungen, Fachmedien, Magazinen oder TV, den damaligen Ereignissen so nah wie möglich zu kommen.

Auf diese Weise entstand auch ein Medienkrimi um ein PR-Desaster, der die Funktionsweise der Medien sowie das deutsche Rundfunksystem plastisch beschreibt. Und der durch die ARD-Korruptionsaffäre im Sommer 2005, die Medienschelte Gerhard Schröders und die Vorwürfe, das Magazin ZDF.reporter habe in einer Reportage unsauber gearbeitet, unerwartete Aktualität gewonnen hat.
Rückblick


Januar 2004: Die privaten Fernsehsender feiern 20. Jubiläum. Beispiel RTL: Die Station, die sich ab 1984 am erfolgreichsten neben ARD und ZDF etabliert hat, zeigt in zwei Jubiläumsshows „die größten Stars, die schönsten Momente und die lustigsten Pannen“ aus der TV-Geschichte. Gastgeber Oliver Geissen begrüßt neben Thomas Gottschalk, Marcel Reif oder Mike Krüger auch Günther Jauch. Der verkörpert wie kein Zweiter den Aufstieg des deutschen Privatfernsehens: Schmunzelnd schildert der TV-Star, der jahrelang zwischen den öffentlich-rechtlichen und privaten Stationen hin und her wechselte, seine Erfahrungen aus den letzten beiden Jahrzehnten deutscher Mediengeschichte.

Heute sind RTL Television, die Pro SiebenSat.1 Media AG - im August 2005 nach exakt zweijährigem Intermezzo in der Hand einiger Investoren um den israelischen Milliardär Haim Saban an die Axel Springer AG veräußert -, die Musikkanäle Viva und MTV, der Sportsender DSF, der Nachrichtenspezialist n-tv oder der Familiensender Super RTL aus der deutschen Medienlandschaft nicht mehr fortzudenken. Sie sind zentrale Player in der Medienwirtschaft, erlösten zusammen im Jahr 2004 netto über 3,5 Milliarden Euro Werbegelder (laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft), während sich die öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit knapp 294 Millionen Euro begnügen musste.

Gleichzeitig lehrten die Kommerziellen die per Zwangsgebühr finanzierten ARD und ZDF mit innovativen Formaten das Fürchten: Auf die Krawallshow Der heiße Stuhl, ab 1991 bei RTL zu sehen, schießt sich die TV-Kritik ein; Reinhold Beckmann macht 1992 die Bundesligaspiele für Sat. 1 zum Zuschauermagneten; RTL inszeniert im Gegenzug die Formel 1 zum Rennzirkus; der satirischen Late Night Show mit Harald Schmidt wiederum bei Sat. 1 kann bis zu deren plötzlichem Ende im Dezember 2003 niemand etwas entgegensetzen.


Die Öffentlich-Rechtlichen trudeln unterdessen in eine Dauer-Identitätskrise. Das ZDF sendet am jugendlichen Zuschauer vorbei, entwickelt sich zum Lieblingssender der „Kukident-Generation“, wie Ex-RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma einmal ironisch anmerkte.

Nicht nur Bürger, sondern auch Politiker fragen, ob eine quasi automatische Erhöhung der Rundfunkgebühren angesichts von Leistung und Angebot bei ZDF und ARD noch zu rechtfertigen ist. Genau darüber liegen die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), die Ministerpräsidenten der Länder und die Privatsender mit schöner Regelmäßigkeit miteinander im Clinch.

Vielen geht der öffentlich finanzierte Expansionsdrang in Wirtschaftsfelder, die nichts mehr mit dem Auftrag zur Grundsicherung der Meinungsvielfalt zu tun haben, zu weit. Beispiel Spartenkanäle: Aus welchem Grund rufen ARD und ZDF etwa im Frühjahr 1997 den „Kinderkanal“ ins Leben? Wohl doch, um dem Ende 1998 nach wenigen Jahren eingestellten US-Kindersender „Nickelodeon“ die Refinanzierung durch Werbung schwer zu machen.

Tatsache seit Langem ist auch die Angleichung der Inhalte zwischen den privaten und öffentlich-rechtlichen Stationen. Keine Talkshow im Programm der Privaten, die nicht von staatlich alimentierten Sendern adaptiert worden wäre. Bei der ARD pubertieren Teenies in der Seifenoper Marienhof, bei RTL machen sie sich seit über einem Jahrzehnt in Gute Zeiten, schlechte Zeiten Gedanken über Liebe, Sex und Leidenschaft.

Auch in einer der Domänen von ARD und ZDF, der Information, bieten die privaten Magazine Spiegel TV, stern TV oder Focus TV der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz wie beispielsweise Frontal, Monitor oder Kontraste Paroli. Ausnahme: Die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenbastionen Tagesschau und heute. Zu denen konnte in puncto Zuschauergunst nur RTL aktuell annähernd aufschließen.

Über 20 Jahre kommerzielles TV-Programm - ein Boom für die ganze Medienbranche: ob Moderatoren, Redakteure oder Produktionsgesellschaften, Print, Hörfunk oder Public Relations. In den 90er-Jahren scheint es, als seien dem Wachstum keine Grenzen gesetzt. Als dann 2002 die graue Eminenz der deutschen Medien, Leo Kirch, mit seinem Imperium aus Verlagen, Sendern wie Sat.1 oder Pro 7, diversen Vermarktungs- sowie Produktionsgesellschaften und der größten Filmbibliothek weltweit in die Pleite schlittert, ist die Blase vom unendlichen Wachstum bereits geplatzt.

Bis dahin herrschte lange Zeit Goldgräberstimmung. Die Medien - ein Dorado, in dem sich immer wieder kleinere Skandälchen wie um das Thema „Reality TV“ im Jahr 1992 ereigneten, aber auch veritable Skandale, die eine ganze Fernsehnation erschütterten.

Ein solcher zeichnet sich im Winter 1995 ab. Und es ist symptomatisch für das Selbstverständnis der Branche, dass diese zwar nichts so sehr liebt, wie Pleiten, Pech und Pannen anderer genüsslich und in Zeitlupe auszukosten, sich aber beim Kehren vor den eigenen Sendertüren zurückhält.

Es ist daher aus Imagegründen nachvollziehbar, dass der größte Betrugsfall in der deutschen TV-Geschichte im Jubiläumsjahr mit Schweigen übergangen und nicht etwa in der RTL-Show Anfang Januar unter der Rubrik „die größten Skandale“ thematisiert wurde. Ein einmaliger Skandal, der die Glaubwürdigkeit des Fernsehjournalismus im Mark traf, schlummert in den Giftschränken der Senderarchive seit einem Jahrzehnt dem Vergessen entgegen.

Die Akteure darin: ein zwielichtiger freier Autor und ein freischaffender TV-Star. Beide sorgen genau ein Jahr lang dafür, dass die eher distinguierte TV-Branche mal mehr, mal weniger subtil aneinander gerät und sich mit Vorwürfen überschüttet. Ganz zur Freude ihrer Berufskollegen, die dieses Auflagen und Quoten garantierende Branchenereignis bis ins letzte Detail für ihre Leser und Zuschauer in Szene setzen.


Spurensuche



Der Name des Übeltäters: Michael Born. Dem damals 37-jährigen freien TV-Produzenten gelingt das Kunststück, jahrelang private wie öffentlich-rechtliche Politmagazine mit angeblich authentischen Berichten zu betrügen, obwohl er die Themen darin erfunden und Szenen mit Freunden oder Bekannten nachgestellt hat.

Seine Fakes wären nicht weiter aufgefallen, hätte die Staatsanwaltschaft Koblenz nicht nach einem Beitrag um angebliche Aktivitäten des US-Geheimbundes Ku-Klux-Klan in Deutschland Ermittlungen wegen rechtsextremistischer Umtriebe aufgenommen und in Rheinland-Pfalz nach solchen Organisationen gefahndet.

In der Vernehmung über die Hintergründe des Beitrags verstrickt Born sich in Widersprüche. Das ist sein Fehler.
mediopolis ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.02.2006, 00:48   #3
fnord23
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Standard AW: Medienkrimi um stern TV und Jauch

Hallo mediopolis (=Thomas Pritzl?) :

Zitat:
... es ist 10 jahre her und niemand erinnert sich daran ...
so legst Du los und Dich mit mir an
Ganz sicher erinnern sich viele, wenn nicht alle KollegInnen ...
Dass es von den Betroffenen totgeschwiegen wird - wen wundert's?

Ich wünsche Deinem Unternehmen viel Erfolg und einen engagierten frechen Verlag, vielleicht Eichborn.

Ob Du Deinen Zettelkasten komplett ins Buch überführen solltest, sei dahingestellt, aber wenn's der Wahrheitsfindung dient, dann schon.

Hitlertagebücher im Stern und Borns Beiträge in SternTV waren und sind für mich ein völlig normales Symptom des Boulevardjournalismus - wen wundert's?

Dass Erfindungen die gelben Blätter füllen, auch die Seiten der Illustrierten, die sich als investigative Nachrichtenmagazine ausgeben,
und dass fundierte Recherchen in Schubladen von etablierten sog. Nachrichtenmagazinen verschimmeln -
wen wundert's:
Gedruckt und gesendet wird, was Quote bringt und das Anzeigenaufkommen nicht beeinträchtigt.

Also - alles Gute für Dein Buch - ich würde es kaufen;
ICH hab auch nix dagegen, dass Du es vollständig hier veröffentlichst,
aber höchstwahrscheinlich der Cheffe

mfg: peter
__________________
Ich weiss, dass ich nichts weiss.
fnord23 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.02.2006, 01:55   #4
NewsJournalist
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Standard AW: Medienkrimi um stern TV und Jauch

mich würde interessieren, ob der tv-journalismus heute für glaubwürdg gehalten wird.


Frage: Was heisst das konkret?
NewsJournalist ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.02.2006, 09:49   #5
mediopolis
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Renommee-Modifikator: 0 mediopolis wird positiv eingeschätzt
Standard AW: Medienkrimi um stern TV und Jauch

hallo,

danke für die reaktion: angesichts der tatsache, dass eine boulevardisierung nicht nur im gang ist, sondern sämtliche themenfelder längst durchdringt, frage ich konkret danach, ob bei der vielzahl der reisserischen themen (und solcher, die lediglich voyeuristischen hintergund haben) nicht zweifel an der authentizität berechtigt sind.

ich weiss nicht, wie du das siehst und sicherlich gibt es zwischen der schreibenden und der drehenden zunft unterschiede...

let' s answer

gruss
mediopolis ist offline   Mit Zitat antworten
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